Unsere Gesellschaft erlebt gerade einen Aufbruch. Altes bricht zusammen, um dem Neuen Platz zu machen, dass mit Macht in die Wirklichkeit drängt. Vieles gerät dabei ins Wanken. Wirtschaft, Kirche und ganze Staaten  sind in ihrer Substanz bedroht – und wir mit ihnen. Vielleicht schüttelt sich der Planet Erde, um die Spezies loszuwerden, die sich fälschlicherweise Homo Sapiens nennt, der wissende Mensch, der aber das Wissen um seine existenzielle Verbundenheit mit der Erde verloren hat. Doch „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, weiß Hölderlin. 

Was aber rettet uns, was bringt uns auf die nächste Stufe der Menschheits-Entwicklung? Hat unsere Gesellschaft, hat jeder einzelne die Kraft zur Transformation. Ziehen wir Konsequenzen. Oder laufen wir in kollektiver Dummheit wie die Lemminge ins Verderben? Unser westlicher Lebensstil, angewandt von den aufstrebenden Nationen Asiens und Lateinamerikas, ist von unserem Planeten nicht länger verkraftbar. Längst sind wir an den Grenzen des Wachstums angekommen und stehen vor der Frage, wie können wir uns selbst und unsere Gesellschaft transformieren? Wie kann ein jeder von uns und wie können wir gemeinsam aufbrechen in eine gute Zukunft? Wer in Routine und Stagnation verharren will, dem wird der Imperativ „Aufbruch“ möglicherweise fremd bleiben. Wer aber lebendig bleibt und wach, der kommt in seinem Leben um Auf- und Umbrüche nicht herum. Ist das, was viele heute als Krise erleben, in Wirklichkeit nichts anderes als ein Aufbrechen? 

„Der Wert eines Menschen“, sagte der Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi, „wird bestimmt durch den Nutzen, den er seinen Mitmenschen bringt. Geboren werden, leben, essen, trinken und schließlich sterben – das kann auch ein Insekt.“ Eine Besinnung hat begonnen, auf Wesentliches, auf Werte. Immer mehr Menschen wollen bei den stattfindenden Veränderungen Teil der Lösung sein und nicht Teil des Problems. Sie ziehen Konsequenzen. Sie leben so bewusst wie möglich. Sie sehen den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Sie finden Befreiung in der Beschränkung und Konzentration auf das Wesentliche. Sie begreifen, dass wir nur gemeinsam stark sind und Dinge positiv verändern können. Sie schließen sich in neuen Gemeinschaften zusammen, digital und real. Wählen neue Parteien und verstehen, dass wir mit dem großen Lebewesen Erde auf Gedeih und Verderben verbunden sind – und handeln entsprechend. 

Du musst Dein Leben ändern“, proklamiert Rainer Maria Rilke in seinem Sonett vom Archaischen Torso Appollos. Engagement ist wieder angesagt. Mehr und mehr Menschen definieren sich über das, was sie geben, und nicht mehr über das, was sie haben. Eine zunehmend größer werdende Anzahl von Menschen will nicht mehr als ein "gutes Leben" führen, will mehr Gerechtigkeit, ein neues Bewusstsein und ein neues Miteinander. Gemeinsam befinden wir uns inmitten eines positiven Wertewandels: weg vom ständigen „ich will“, „ich brauche“ und „ich will haben“, hin zu einem Mehr an Bewusstsein, Spiritualität und Engagement.

Machen wir uns also auf den Weg. Jeder für sich und alle miteinander.