Nicht nur die drei großen monotheistischen Weltreligionen, fast auch alle anderen Religionen und spirituellen Traditionen kennen das Motiv des Weges und sie alle repräsentieren verschiedene Möglichkeiten der Annäherung an das immerwährende Geheimnis des Lebens.

Das Judentum, das wandernde Gottesvolk, machte sich auf den Weg in das gelobte Land, Gottes Verheißung entgegen. Die ersten Christen nannten sich: „Die vom Weg“ und verstanden sich als Transitreisende und Weg-Bereiter für das Reich Gottes. Im Islam benennt die Hadj, die Pilgerreise nach Mekka, den Lebensweg hin zu Gott als zentrale Lebensaufgabe; - eine Aufgabe, die im Sufismus in die verschiedenen Tarikat (Pfade) zu der Essenz allen Seins mündet. Der Buddhismus kennt den Hohen Achtfachen Weg, der zur Beseitigung der Ursachen des Leidens führt und der Tantrismus versteht sich als Weg zur Erkenntnis der höchsten Wirklichkeit und Einswerdung mit dem Absoluten. Der Hinduismus weiß um den langen Weg der Seele durch die Inkarnationen. Die frühen Schamanen galten als Wander zwischen den Welten und Brückenbauer zu verborgenen Wirklichkeiten. Und noch die Aborigines erzählen und erschaffen sich ihre Welt entlang der Songlines, der Wander-Wege ihres Volkes.

INNERE ARBEIT, bewußt und undogmatisch gestaltet, strebt nach direkten Erfahrungen und einer unmittelbaren Beziehung zu der Essenz allen Seins. Die religiösen Wege haben aus solchen Erfahrungen heraus Regeln, Lehren und Glaubensinhalte destilliert, haben Wahrheits-Sammlungen geschaffen, mit denen sie spirituelle Suchbewegungen leiten und kanalisieren können. Wer aber bewußt einen spirituellen Übungsweg beschreitet, ist immer auch ein Mystiker und wird es als irreführend erachten, das All-Eine in Konzepte und Ordnungen gießen zu wollen. Dennoch: im Kern geht es beiden Wegen, den religiösen wie den spirituellen, immer um das Streben nach menschlicher Vollkommenheit und Erlösung.